Bericht: Vortrag von Alexander Bauersfeld

Mit beeindruckender Gelassenheit spricht Alexander Bauersfeld von der Diktatur in der DDR. Über das totalitäre System, das ihn eineinhalb Jahre eingesperrt hat. Und das ihm so unter anderem seiner damaligen Ehefrau beraubte, die sich von ihm scheiden ließ.

 

1983 wird Alexander Bauersfeld verhaftet, weil er sich der „landesverräterischen Nachrichtenübermittlung“ schuldig gemacht habe. Tatsächlich engagierte sich der junge Mann damals aber in der Jugendabteilung der evangelischen Kirche und in der Friedensbewegung. Erschreckend, wie eine Handvoll Kontakte zu Westdeutschen und zur Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland ausreichten, um als Staatsfeind der DDR verfolgt zu werden. Und um letztlich zu drei Jahren Haft verurteilt zu werden, von einem Rechtsstaat ohne Gerechtigkeit.

 

Während der Haft arbeitet Bauersfeld zwangsweise im Volkseigenen Betrieb Sprela Spremberg. Er atmet den giftigen Staub beim Abschleifen von Plastikteilen ein und bekommt Hautausschlag; das marode System fordert auch seinen körperlichen Tribut. Bis heute bleibt eine Entschuldigung aus; die Firma schweigt gänzlich bezüglich ihrer einstigen Produktion in DDR-Gefängnissen. „Die glauben wohl, es ist billiger zu warten, bis wir alle sterben“, meint Bauersfeld, der sich selbst in der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) engagiert und für Anerkennung und Entschädigung der Opfer von Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen kämpft.

 

Schließlich wird er im Juni 1984 von der BRD freigekauft. Er fragt uns: „Wie viel kostet ein Mensch? “. „Ein Mensch ist unbezahlbar“, erwidern wir, heute eine Selbstverständlichkeit für uns. Die nüchtern-brutale Antwort von DDR und SED: „Jeder Bürger ist ersetzbar und verkäuflich.“ Ca. 95 000 Westmark kostete Bauersfeld die BDR; nur ein Bruchteil der 3,5 Milliarden Mark, die die DDR an Freikäufen von politischen Gefangenen verdient.

Doch die Betroffenen wussten nicht um die Anstrengungen, sie zu befreien: In der BRD wurde zwar eine „Liste“ mit politischen Gefangenen geführt, doch schon das Übermitteln von Kenntnissen darüber stand in der DDR unter Strafe. Zudem wurden die Häftlinge gezwungen, ihren Angehörigen den Grund für die Verhaftung zu verschweigen. So erfuhr Alexander Bauerfelds Mutter erst nach seinem Aufbruch in die BRD, warum er in der DDR verurteilt worden war.

 

Bauersfeld Vortrag ist ein Plädoyer für Freiheit und deren Unentbehrlichkeit. Er berichtet aus eigener Erfahrung, wie körperliche und seelische Gefangenschaft in der Diktatur den Menschen zerstören. Unsre alle Verantwortung wird deutlich; eine derartige Tyrannei soll sich niemals wiederholen. Gerade deswegen ist die Aufklärung über die DDR essenziell.

Die Ausstellung „Mauern – Gitter – Stacheldraht“ bietet ebendies und ist noch bis zum Januar 2015 in unserer Schule zu Gast. Ein Besuch lohnt sich!

 

(Text von: Pia Ellersiek und Lea Otto)

 

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