Besuch der Gedenkstätte Breitenau mit dem Leistungskurs Geschichte Q2

Am vergangenen Montag haben wir als LK Geschichte der Q2 gemeinsam mit unserem Tutor, Herrn Rose, das ehemalige Arbeitserziehungslager Breitenau in Guxhagen besucht.

 

Das Lager befindet sich auf dem Gelände eines alten Benedikterklosters aus dem 12. Jahrhundert und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So wurde es unter anderem ab 1874 als Arbeitshaus und nach 1945 als Erziehungsheim genutzt.

 

Unter der nationalsozialistischen Diktatur wurde es schließlich zu einem „frühen“ Konzentrationslager umfunktioniert. Hier war nicht das Ziel, die Inhaftierten zu töten, sondern die vermeintlichen „Gegner“ wie etwa Sozialdemokraten, Kommunisten, „Bibelforscher“, sog. „Arbeitsscheue“, „Pazifisten“, aber auch während des Krieges aus den besetzen Gebieten verschleppte Zwangsarbeiter durch harte körperliche Arbeit, Mangel-ernährung und ständige körperliche und psychische Schikanen zu brechen.

Dennoch sind auch hier Menschen ermordet worden und viele hier Inhaftierte wurden später auch z.B. nach Auschwitz oder in andere Todeslager deportiert, so etwa Lilli Jahn (1900-1944).

 

In Breitenau hatten wir neben einer Führung durch den Komplex auch sehr umfangreich die Möglichkeit, uns mit der Funktionsweise des NS-Systems auseinanderzusetzen. So haben wir Originalakten der Häftlinge, Zeitungs-artikel, Gerichtsurteile und Originaldokumente aus dieser Zeit sichten und einen Einblick erhalten können, wir der NS-Staat mit „Gegnern“ der „Volksgemeinschaft“ umgegangen ist. Die Insassen wurden von der Gestapo ohne Gerichtsverfahren und ohne ihnen einen Grund zu nennen inhaftiert, rechtsstaatliche Verfahren, unabhängige Justiz gab es nicht und die Haftgründe, welche in den Akten festgehalten wurden, erscheinen uns heute beinahe „banal“, so zum Beispiel „Bummelei am Arbeitsplatz“, „Liebesverhältnisse“ etwa zwischen deutschen Staatsangehörigen und Polen, aber auch „Wehrkraftzersetzung durch Pazifismus“ und vieles andere mehr.

 

Ziel unserer Exkursion war es, uns auf einer rein wissenschaftlichen und sachlichen Ebene mit dieser Thematik zu beschäftigen, um zu erfahren und zu lernen, wodurch man aus Sicht der Nazis „Gegner“ werden konnte, welche Folgen das hatte für die Opfer und was das alles auch mit uns heute zu tun hat. Gerade deshalb haben wir im vorbereitenden Unterricht hierzu sehr intensiv und kritisch die Frage miteinander diskutiert, wie sehr bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema Begriffe wie „Schuldgefühl“ oder „Betroffenheit“ den Blick auf den Kern des Themas verdecken können.

 

So wollten wir auch bewusst nicht „nur“ einfach eine weitere Gedenkstätte für Opfer der NS-Diktatur besuchen, sondern den Blick auf den Umgang mit diesem Teil der deutschen Geschichte etwas verändern. Als großes Fazit des Tages bleibt aus unserer Sicht, dass uns das sehr gut gelungen ist.

 

(Text: Jannik Scherer, Q2GE11 LK Geschichte)


 

 

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