Bericht über die Fahrt nach Beine-Nauroy (29.03.16-05.04.16)

 

In diesen Osterferien haben mein Mitschüler Aleksey Silenko und ich uns im Rahmen eines Projektes für das Sprachendiplom Certi Lingua auf eine sehr außergewöhnliche einwöchige Fahrt in die Champagne begeben. Die Reise führte uns in das französische Dorf Beine-Nauroy, in dessen unmittelbarer Nähe vor genau 100 Jahren die Abnutzungsschlachten der preußischen und französischen Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg stattfanden.

 

Zeugnis der grausamen Geschehen, die innerhalb von vier Jahren fast zehn Millionen Männern das Leben kosteten, sind bis heute noch von Vegetation überwucherte Ruinen und in den Feldern verteilte Bombenstücke, Patronen und Gebrauchsgegenstände der Dorfbewohner. Deshalb haben sich die "Amis de Nauroy" (Freundeskreis Nauroy), ein ehrenamtlicher Verein  Erwachsener, zum Ziel genommen, im nahegelegenen Dorf Nauroy, welches damals komplett zerstört wurde, Wegführungen für künftige Erinnerungswege zu erstellen und die ehemalige Kirche mit angrenzendem Friedhof in ein sehenswertes und ehrenvolles Monument der Erinnerung umzubauen.

Ausgerechnet dieser durch Hass, Gewalt und Tod geprägte Ort wird seit 2011 immer wieder aufs Neue zur Begegnungsstätte der deutsch-französischen Freundschaft, denn es kommen regelmäßig Schüler/innen aus Deutschland, wie Aleksey und ich, und helfen den "Amis" mit der Aufarbeitung des Krieges.

 

Während unseres Aufenthaltes hat uns der Freundeskreis sehr herzlich, freundschaftlich und offen empfangen, beherbergt, begleitet und über die geschichtlichen Kontexte informiert.

Wir haben außerdem noch zahlreiche Kriegsgräberfriedhöfe verschiedener Nationen, Schulen, Kirchen, Museen, Denkmäler und die Stadt Reims besucht und hatten eine Führung durch eine gigantische Festung (Fort de Nogent), welche abwechselnd sowohl von den Franzosen als auch von den Deutschen belagert und im Zuge der Kämpfe genutzt wurde. Am meisten hat uns die Besichtigung der Kriegsgräben gefallen, welche von einem weiteren Verein wieder vollständig aufgebaut wurden - inklusive alter Stacheldrahtzäune, Waffen, Metallplatten, Unterkünfte und Gebrauchsgegenstände. Während der Ausgrabungen wurden auch seit 100 Jahren verschollene Frontsoldaten, welche direkt in den Gräben erschossen wurden, gefunden und anschließend in Friedhöfen beerdigt.

 

Uns hat erstaunt, dass der erste Weltkrieg, der auf Französisch auch der "Große Krieg" genannt wird, im geschichtlichen Bewusstsein der Bürger viel präsenter ist als der zweite, wie beispielsweise bei uns in Deutschland. Bereits in der Grundschule wird dieses Thema ausführlich im Unterricht behandelt und den Kindern auf verschiedenen Weisen näher gebracht.

Erschreckend fanden wir, dass auf den Hügeln der Montagne, genau auf welchen damals die Kämpfe stattfanden, sich heute ein Militärgebiet für Schießübungen befindet. Aber dies hat uns wiederum akustisch verholfen, das Kriegsgeschehen ein bisschen besser nachvollziehen zu können...

 

Alles in Allem werden wir diese sehr besondere, informative und französische (inklusive mehr-stündiger Mahlzeiten mit fünf Gängen) Fahrt niemals vergessen, die uns Geschichte auf eine außergewöhnliche Art näher brachte und uns einen intensiven kulturellen Austausch mit den Mitgliedern des Vereins ermöglichte.

Wir wünschen den Amis de Nauroy weiterhin viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben und hoffen, dass auch künftige Generationen den Krieg nicht vergessen werden.

 

Für mehr Informationen über den Verein: http://www.lesamisdenauroy.fr/

 

(Text: Veronika Radzikhovskaya; Bilder Mme Durand)

 

 

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