Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus

 

Nach dem Abschluss der Pflegepatenschaft für die im Umfeld der Albert-Schweitzer-Schule gelegenen Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nahmen die Geschichtskurse von Herrn Neumann und Herrn Palmié auch an der diesjährigen Verlegezeremonie weiterer Stolpersteine in Kassel am Dienstag, den 17. Mai, teil.

 

Zunächst wurden in der Breitscheidstraße 17 für Arno, Isidor und Marta Stern Stolpersteine verlegt. Denn die Familie sah sich gezwungen, vor dem NS-Terror aus Deutschland zu fliehen. Anlässlich der Verlegung der Stolpersteine war Arno Stern sogar aus Paris angereist. Bei der Verlegezeremonie sang Sina Ehle (Q2) einfühlsam a capella "Du alter Baum" von Norbert Glanzberg und rührte die andächtigen Zuhörer. Im Anschluss wurden in der Lessingstraße 18 Stolpersteine für Hertha, Ralf Michael, Marion und Wilhelm Lieberg verlegt. Sie waren Opfer der Shoa, wie aus dem offiziellen Gedenkblatt zu erfahren war, das Max Ludwig, Moritz Friedrich und Jule Dahlhaus (alle E2) vorlasen. Bei der Verlegezeremonie wurde von Lena Höster (Q2) sehr bewegend die Musik von dem Film Schindlers Liste auf dem Akkordeon vortragen. Für diese Stolpersteine übernimmt die Albert-Schweitzer-Schule die Pflegepatenschaft. Herr Boczkowski, Vorsitzender des Vereins Stolpersteine in Kassel e. V., bedankte sich sehr für die Mitwirkung der Schule und die würdige Gestaltung der Verlegezeremonie und überreichte Patenschaftsurkunden

 

In der 3. und 4. Stunde berichtete daraufhin der wegen seiner zahlreichen Aktivitäten auch von der UNESCO geschätzte 92-jährige Pädagoge Arno Stern als Zeitzeuge in der Schulaula den Schülerinnen und Schülern der Q2 und den E2-Tutoriaten Neumann und Riehl anschaulich mit einer Vielzahl von Bildern aus seiner Kindheit und Jugend über seine Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland und seinen Erfahrungen als Flüchtling in Frankreich und der Schweiz. Er berichtete von dem unvorbereiteten und unerwarteten Aufbruch, von den Schwierigkeiten und der Primitivität der Unterbringung in Flüchtlingsheimen, von den Internierungs- und Arbeitslagern, den täglichen Sorgen um das Notwendigste, aber auch seinen kleinen Freuden als Kind, da seine Eltern sich liebevoll um ihn kümmerten und er trotz fehlender Sprachkenntnisse im französischsprachigen Exil schnell Anschluss an Gleichaltrige fand. Zudem habe die Familie stets Hoffnung und Zuversicht bewahrt, auch wenn sie von der Auflösung ihrer Wohnung, ihrer Enteignung, und dem Tod der zurückgebliebenen Verwandten erfuhr, von denen keiner Hitlers Gaskammern überlebt hat. Viele Fragen der interessierten und aufmerksamen Zuhörer wusste er zu beantworten und aus seinen Erfahrungen reflektierte Erkenntnisse über die Menschen und das Leben zu vermitteln. Mit der Verlegung der Stolpersteine für ihn und seine Eltern sei ihm ausgleichende Gerechtigkeit widerfahren gegenüber den Nationalsozialisten, deren Bestreben es war, andersdenkende und andersseiende Menschen zu vernichten und die Erinnerung an sie auszulöschen.

 

Zum Abschluss konnte noch eine besondere Begegnung ermöglicht werden. Von Raum H505, dem Klassenraum der Kl. 9a, blickte Herr Stern nicht nur über die Dächer Kassels, sondern er begegnete Niklas Coordes. Niklas bewohnt heute sein damaliges Kinderzimmer. So sprachen die beiden über ihre Betten aus Drahtmetall bzw. aus Holz.

 

Weitere Informationen und Bilder finden sich:

 

 
 
(Text und Bilder: Hr. Neumann)

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