Erläuterung Mensch und Zirkus

Grundkurs 12 Kunst Lehrerin: Monika Molinski Januar 2010

 

In Zusammenhang eines Projektes, das die ASS mit dem Kinder- und Jugendzirkus Rambazotti durchgeführte, erstellten die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses 12 im Fach Kunst Plastiken und Objekte zum Thema „Mensch und Zirkus“. Diese Werke wurden parallel zu den Jungendvarietee-Vorstellungen im Zirkus ausgestellt.

Das Material war frei wählbar. Die Wahl der Darstellungsmittel sollten der Intention des Werkes entsprechen.

Desirée Hennecke: Trapez
Form und Propotionen des Körpers sollen verdeutlichen, dass Artisten manchmal ihren Körper schädigen, um die geforderte Leistung zu vollbringen.

Lisa Kechel: Körper in Käfig
Der Käfig steht hier symbolisch für Einschränkungen eines Menschen durch die Zirkuswelt oder in übertragenem Sinn durch die Gesellschaft.

Tanya Podjasky, Sara Weigt: Torso
Unsere Intention war, eine Kritik an sogenannten Freakshows deutlich zu machen. In diesen Veranstaltungen werden einheimische, tätowierte Stammesmitglieder wie Tiere zur Schau gestellt, sodass die Besucher den Menschen auf sein Äußeres reduzieren und somit eine seelische Zerissenheit zwischen Tradition und Unterhaltung bewirken.

Neben dem Torso hing folgender Text:

Stammeskultur
Jeder hat das natürliche Bestreben einer Gruppe, die ihm vertraut ist, anzugehören. Das ist besonders wichtig in Stammesgesellschaften kleiner Gruppen, bei denen die Einbindung in den Stamm, den Clan und die Familie die einzige Chance zum Überleben bietet. Alle müssen in einer meist lebensfeindlichen Umwelt an einem Strang ziehen, für Außenseiter und Verstoßene ist kein Platz. Jedes Individuum, das sich einfügt, hat eine bestimmte Stellung und kann von Freund und Feind eindeutig zugeordnet und eingeschätzt werden.
Als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit diente schon immer die Dekoration des Körpers. Sei es temporärer Art durch Kleidung oder Körperbemalung, oder vorzugsweise – weil unveränderlich – permanent durch Tattoos, Vernarbung oder Piercing.
Diese Körpermodifikation wird in einem vorgegebenen Lebensalter oder beim Übergang von einer Lebensphase in die nächste – zum Beispiel bei Beginn der Pubertät oder vor der Verheiratung – vorgenommen. Der Mensch muss sich bewähren, meist eine Prüfung bestehen.
Jede Kultur hat dafür ihren eigenen überlieferten Ritus, der von Generation zu Generation – oft mit einer mystischen Komponente versehen – weitergegeben wird.

Aus: „Alles über Piercings“