Ethik

  

 

Ein Moralprinzip traf einen Materiellen Vorteil auf einer Brücke, die nur breit genug für einen von ihnen war.
„Herunter, du niedriges Ding“, donnerte das Moralprinzip, „lass mich über dich hinweg schreiten.“
Der Materielle Vorteil blickte dem anderen nur wortlos in die Augen.
„Ach“, sagte das Moralprinzip zögernd, „lass uns darum losen, wer von uns zurücktritt, bis der andere die Brücke überquert hat.“
Der Materielle Vorteil bewahrte sein beharrliches Schweigen und seinen ungebrochenen Blick.
„Um Streit zu vermeiden“, fuhr das Moralprinzip ein wenig unsicher fort, „werde ich selbst mich niederlegen und dich über mich hinweggehen lassen.“
Da fand der Materielle Vorteil seine Zunge. „Ich bezweifle, dass man auf dir besonders gut geht“, sagte er. „Ich bin ein bisschen wählerisch mit dem, was ich unter den Füßen habe. Wie wär's, wenn du ins Wasser stiegst?“
Genau so geschah es.


Ambrose Bierce: Moralprinzip und Materieller Vorteil – eine fantastische Fabel? (aus: Die gesammelten Geschichten und des Teufels Wörterbuch. FFM: 1999)

 

Wer kennt es nicht, das Abwägen von Gut und Böse, Richtig und Falsch im Vorfeld einer beabsichtigten Handlung? Stellt man sich diese Frage in einem allgemeineren Rahmen, so gelangt man sehr schnell zu zentralen ethischen Fragen:
•    Was soll ich tun?
•    Wie soll ich leben?
•    Nach welchem höchsten Gut soll ich streben?

Da ich ein vernünftiges Wesen bin, werde ich die Verantwortung für mein Handeln übernehmen müssen und zwar im Hinblick auf
•    mich selbst,
•    meine Mitmenschen,
•    meine Umwelt
•    und eventuell auch einen letzten metaphysischen oder transzendentalen Bezugspunkt, zum Beispiel Gott.
 

„Ihrem Wesen nach ist die Ethik weltbejahend. Sie will im Sinne des Guten tätig und wirksam werden.“

Albert Schweitzer

 

Weshalb drängen sich dem Menschen ethische Fragestellungen auf? Weshalb entkommt er seiner Verantwortung nicht?

 
Auf diese Frage muss man eine dreigeteilte Antwort geben

 

 

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