Informationen zum Unterricht in der Oberstufe

Geschichte in der Oberstufe
 

Geschichte ist in der Oberstufe ein verbindliches Fach in allen Jahrgangsstufen, muss also immer – entweder als Grund- oder Leistungskurs belegt werden. Die Grundkurse der Jgst. 13 und unter Umständen auch die der Jgst. 12 sind verbindlich in die Abiturwertung einzubringen im Rahmen der Verpflichtungen im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld. Als verbindliches Fach kann Geschichte Prüfungsfach für jeden sowohl in der schriftlichen als auch mündlichen Prüfung wie auch im 5. Prüfungsfach sein. Unsere Schule bietet Geschichte auch als AG (WERKSTSTATT GESCHICHTE) und als Leistungskurs an. Hier beträgt die Unterrichtsverpflichtung in der Jgst.11 drei Stunden, in den Jgst. 12 und 13 fünf Stunden. Die folgenden Seiten sollen wichtige Hilfestellungen für die Einwahl in die Jgst. 11 geben.
Wir meinen: Geschichte ist interessant.
 
Fachkonferenz Geschichte
 

  

Welche Fähigkeiten und Arbeitstechniken lernt man durch Geschichte?


Das Verstehen anderer Epochen, Zeiten, Denkweisen, Mentalitäten fördert die Fähigkeit, generell Anderes, Fremdes besser analysieren und verstehen zu können. Diese Fähigkeit spielt heute zum Beispiel in vielen Unternehmen eine immer wichtigere Rolle (Globalisierung, interkulturelles Management, internationale Zusammenarbeit).

Man lernt Handlungen, Ereignisse, Strukturen etc. in größere Zusammenhänge einzuordnen. Texte und Informationen müssen kritisch geprüft und analysiert werden. Man lernt nicht nur den eigenen Standpunkt kritisch zu überprüfen, sondern z. B. auch zu fragen, welche Informationen nicht gegeben werden.

Am Anderen, am Fremden, an dem, wovon wir nicht unmittelbar betroffen sind, lässt sich mit der Distanz der Gegenwart aufzeigen, wie Politik gemacht wird (Geschichte ist vor allem auch „geronnene“ Politik), letztlich aber auch, wie Geschichte jeweils für gegenwärtige Zwecke benutzt werden kann - auch heute. Das Erarbeiten verschiedener Standpunkte zu einem Thema erleichtert die Relativierung des eigenen Standpunkts und die Öffnung gegenüber anderen Meinungen und Denkweisen.

Der Bezug zur eigenen Gegenwart bietet Ansätze aktuelle Diskussionen in

verschiedenen Gebieten besser einzuordnen.

Man sieht: in Geschichte lernt man eine ganze Menge über Geschichte hinaus.

 

   

Um welche Inhalte und Themen geht es in der Oberstufe?

  

Der Lehrplan macht folgende Vorgaben:

Jahrgangsstufe 11/1: Strukturmerkmale traditionaler europäischer Gesellschaften: die attische Polis; das Imperium Romanum; Christentum und mittelalterliche Gesellschaft; Christen, Fremde und außereuropäische Kulturen.

Jahrgangsstufe 11/2: Wandel und Veränderungen traditionaler Strukturen: Europa im Auf- und Umbruch; Staat und Untertan im Absolutismus; die europäische Aufklärung.

Jahrgangsstufe 12/1: Gesellschaftliche Veränderungsprozesse am Beginn der Moderne: Industrielle Revolution; Amerikanische bzw. Französische Revolution; Demokratie und Nationalismus in Europa; die Frauenfrage im 19. Jahrhundert; der Imperialismus.


Jahrgangsstufe 12/2: Modernität und Antimodernität in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus

Jahrgangsstufe 13/1: Konflikt und Kooperation in der Welt nach 1945: die weltpolitische Ebene: von der Bipolarität zur Multipolarität; die europäische Ebene: Teilung, Integration und neue Nationalismen; die deutsche Ebene: Teilung und Einheit.

Jahrgangsstufe 13/2: Die historische Perspektive von Schlüsselproblemen der Gegenwart. Hier können in Absprache mit der Lerngruppe ganz unterschiedliche Themen behandelt werden.

Diese Vorgaben bilden den Rahmen, der von der jeweiligen Lerngruppe mit Schwerpunktsetzungen thematisch ausgefüllt werden kann.

 

 

Welche Methoden spielen im Geschichtsunterricht eine Rolle?

 

"Maßgeblich für die Methodik des Geschichtsunterrichts ist die Arbeitsweise der Geschichtswissenschaft" . Der Unterricht muss ,"einen Einblick in die Rationalität der historischen Methode gewähren, indem er bestimmte Vorgehensweisen und Denkstandards selbst praktiziert. Insbesondere muss er im Zusammenhang mit der Vermittlung fach-spezifischer Kenntnisse und Fertigkeiten bewusst machen, dass Geschichte als Gegenstand von Wissenschaft nicht die Summe vergangener menschlicher Handlungen ist, sondern sich in Fragen der Gegenwart an die Vergangenheit auf der Grundlage eines methodisch kontrollierten Umgangs mit Quellen immer wieder neu konstituiert." Geschichte ist nicht die Ansammlung einer Menge feststehender Fakten, sondern immer eine Erzählung von der Geschichte, Interpretation.

In der WERKSTATT GESCHICHTE z.B. erzählen wir selbst solche Geschichten, die uns besonders interessieren (siehe unten).

 

 

Welche didaktischen und methodischen Anliegen hat der Geschichtsunterricht?

 

"Das didaktische Anliegen des Geschichtsunterrichts besteht in seinem Kern darin, den Schülerinnen und Schülern vergangene Lebenswelten zugänglich zu machen, auf diese Weise ihr Erfahrungsfeld über die Dimension der Gegenwart hinaus erheblich zu erweitern und ihnen so die Möglichkeit zu bieten, Erkenntnisse und Einsichten zu gewinnen, die von hoher Relevanz für ihre aktuelle und künftige Lebenspraxis sind."

"Obwohl der Abfolge der Unterrichtsinhalte in den einzelnen Jahrgangsstufen das Prinzip der Chronologie zugrunde liegt, vollzieht sich der Unterricht nicht als chronologischer Durchgang durch die Geschichte, sondern als ein problemorientiertes Arbeiten an ausgewählten Gegenständen von besonderer Bedeutung unter Beachtung ihrer jeweils spezifischen Form von historischer Zeitlichkeit."

Im Vordergrund steht dabei sicherlich die Interpretation von Texten - seien es Quellen aus der zu behandelnden Zeit, seien es populäre oder wissenschaftliche Texte der Geschichtsschreibung. Der Unterricht ist in diesem Zusammenhang angewiesen auf mannigfache Formen der Kommunikation, die geeignet sind die Schlüsselqualifikation kommunikative Kompetenz in hohem Maße zu befördern: das Gespräch, die Diskussion, Pro und Contra Diskussionen, aber auch z.B. Rollen- und Plan-/Simulationsspiele u.a..
 

 

Welche übergeordneten Fragen stellt der Geschichtsunterricht?

 

  1. Was ist überhaupt Geschichte? Was ist Zeit? Welche Vorstellungen gibt es über Geschichte in verschiedenen Epochen in und außerhalb Europas?

  2. In welchem Zusammenhang stehen Geschichte und die eigene Person? Welche Beziehung gibt es zwischen unserem Denken und unserer historischen Zeit?

  3. Geschichte der Geschichtswissenschaft: Warum ist auch der Umgang mit der Geschichte Veränderung unterworfen, wem nützen geschichtswissenschaftliche Aussagen?

  4. Beziehung zwischen der Geschichtswissenschaft und Nation: Warum haben andere Völker andere Geschichten?

 

 

Welche Voraussetzungen sollte man haben, um Geschichte als Leistungskurs zu wählen?

 

  • Neugierde

  • Offenheit gegenüber anderen Denkweisen

  • Lesefreude

  • Interesse an aktueller Politik

  • Fragen stellen können

  • Bereitschaft, auch komplizierte Texte langsam und mit Geduld zu lesen

  • Interesse, sich generell nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit übergreifenden Fragen der Gegenwart auseinanderzusetzen

  • Freude an Kommunikation: an Gesprächen und auch Diskussion

  • Bereitschaft sich auch auf das Andere, das Fremde einzulassen

  • Interesse, sich selbst ein Bild von der Welt, wie sie geworden ist, zu machen

 

 

Für besonders Interessierte: WERKSTATT GESCHICHTE

 

Die WERKSTATT GESCHICHTE an unserer Schule ist eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft. Wir bearbeiten Projekte, deren Themen wir uns selbst gesucht haben und schreiben unsere Geschichte selbst. Wir produzieren auch zumeist etwas und präsentieren so die Ergebnisse unserer Arbeit.

Bisher waren dies u.a.

 

  • ein Kalender zur Revolution 1848/49

  • eine Broschüre zur hundertjährigen Geschichte unseres Schulgebäudes

  • eine Ausstellung zur Protestbewegung der 50er Jahre: „Kampf dem Atomtod“

  • ein Buch über Albert Schweitzer

  • eine Ausstellung und eine Broschüre zur Geschichte des Bebelplatzes (in den Buchhandlungen)

  • ein Beitrag zum Schülerwettbewerb Geschichte, mit dem wir unter ca. 1900 Beiträgen einen 2. Platz und damit 1500.- Euro gewannen

  • ein Buch über die Bewerbung der Stadt Kassel 1948/49 Bundeshauptstadt zu werden

     

Die WERKSTATT GESCHICHTE arbeitet nicht mit einem regelmäßigen Termin, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg an einem Thema mit dem Ziel einer Veröffentlichung. (in ganz unterschiedlichen Formen). Dazu sind ganz verschiedene Talente gefragt. Wer an dieser AG Interesse hat, das nächste Thema ist noch offen, kann sich mit der normalen Kurseinwahl auch in die AG einwählen.