Begegnungsfahrt nach Auschwitz

 

Erst auf der viele Stunden dauernden und quälend langen Fahrt nach Auschwitz wurde uns die unsagbar weite Entfernung bis zu diesem Ort im Südosten Polens bewusst. Die Qualen, die die nach dort deportierten Menschen damals in engen, kalten Güterwaggons noch zusätzlich aushalten mussten, sind für uns unvorstellbar!

In Oswiecim angekommen, wartete eine wunderschöne und überaus gastfreundliche Jugendbegegnungsstätte selbst um 22.30 Uhr noch mit dem Abendessen auf uns und wir konnten die Woche dort in freundlicher und offener Atmosphäre verleben.

Der Dienstag – mit dem Besuch des Stammlagers Auschwitz - begann für uns mit vielen unterschiedlichen Erwartungen. Wie sehr wird es mich betreffen? Werde ich es aushalten können? Wie nah kann ich es an mich heranlassen? Doch selbst nach diesem Tag in einem Konzentrationslager, welches für die industrielle Massenvernichtung von Millionen von Menschen steht, blieben für uns noch viele Fragen offen, die uns wohl noch lange begleiten werden. Wir haben viele unvorstellbare Dinge gesehen: Berge von abgeschnittenen Haaren, schier unendliche Mengen von Schuhen, Geschirr, Koffern, kaputten Kinderspielsachen, Fotos verängstigter, ausgemergelter Menschen, Opfer der Gewalt, Opfer des wahnsinnigen Glaubens an die Überlegenheit der Herrenrasse. Zahlen – 6 Millionen ermordete Juden - werden plötzlich real und scheinen uns zu erdrücken. Ein Vorgehen von solcher Grausamkeit ist nicht zu begreifen. Dem entgegen standen gleichsam Eindrücke des Massentourismus in der Gedenkstätte Auschwitz, die das „Einfühlen“ in die Vergangenheit wesentlich erschwerten, wenn wir uns in all dem Gedränge verschiedener Besuchergruppen auch immer wieder Momente der Ruhe und des stillen Nachdenkens wünschten. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund sei jedoch nicht zu vergessen, dass auch Auschwitz eine ganz normale Stadt mit ganz normalen Menschen ist – mit ganz normalem Leben. Dies zeigte uns sehr eindrucksvoll die Stadtführung und immer wieder unsere kleineren Streifzüge durch die nähere Umgebung der Jugendbegegnungsstätte, die in unmittelbarer Nähe einer größeren Wohnsiedlung gelegen ist.

Am Mittwoch besichtigten wir im leichten Schneetreiben das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Unser erster Eindruck: erschlagend! erdrückend! unendlich groß! Dass die Ermordung vieler Millionen Menschen in solchen Ausmaßen betrieben werden konnte – hier inmitten der Stadt -  ist nicht begreiflich. Die Zustände, unter denen die Häftlinge leben, arbeiten – und STERBEN mussten: noch erschreckender! Es fällt schwer, das Gesehene und das Gefühlte in Worte zu fassen.

Den Donnerstag verbrachten wir in der wunderschönen, alten Stadt Krakau. Wir erhielten dort eine interessante Stadtführung mit Schwerpunkt im jüdischem Viertel. Danach hatten wir genügend Freizeit, um uns noch selbstständig Krakau anzusehen und einen Eindruck des modernen Polens zu bekommen.

Am Freitag schließlich machten wir uns bereits um 5:30 Uhr wieder auf den Heimweg nach Deutschland, nicht ahnend, welche lange Odyssee auf uns warten würde mit  Verspätungen, einem defekten Bahn-Triebwagen und verpassten Anschlusszügen – und doch kamen wir alle mit guter Stimmung und tief bewegenden Eindrücken am Abend um kurz vor 21:00 Uhr wieder in Kassel an.

Ein besonderer Dank gilt unseren tollen Begleitlehrern Frau Roddert, Herrn Rose und Herrn Matthäus, aber auch all den Lehrern, die uns im Vorfeld sehr gut auf die Fahrt vorbereitet haben.

(Merle Felstehausen / Q2)

Fotogalerie: Begegnungsfahrt nach Auschwitz

/album/fotogalerie-begegnungsfahrt-nach-auschwitz1/a100-0361-jpg/
/album/fotogalerie-begegnungsfahrt-nach-auschwitz1/a100-0367-jpg1/
/album/fotogalerie-begegnungsfahrt-nach-auschwitz1/a100-0374-jpg/
/album/fotogalerie-begegnungsfahrt-nach-auschwitz1/a100-0383-jpg/