Besuch der Gedenkstätte Buchenwald (Jgst. 9)

 

 

Seit vielen Jahren ist es nunmehr fester Bestandteil des Geschichtsunterrichtes an der Albert-Schweitzer-Schule, mit den Abschlussklassen der Sekundarstufe I das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zu besuchen, das nur einige Kilometer außerhalb Weimars auf dem Ettersberg errichtet und zwischen Juni 1937 und April 1945 als Arbeitslager betrieben wurde. Zunächst bestimmt vor allem für solche Personen, die nicht ins ideologische Weltbild der Nationalsozialisten passten -  Juden, politisch Andersdenkende, vorbestrafte Kriminelle, sogenannte „Asoziale“, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle -, wurden seit Beginn des Zweiten Weltkrieges tausende Kriegsgefangene aus allen mit dem Krieg überzogenen Teilen Europas in Buchenwald interniert – vor allem aus Osteuropa. Zwischen 1937 und 1945 waren etwa 250.000 Menschen im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert und die Zahl derer, die in dieser Zeit dort den Tod fanden, wird auf etwa 56.000 Menschen geschätzt.

Zwischen 1945 und 1950 wurden Teile des Lagers von der sowjetischen Besatzungsmacht als „Speziallager Nr. 2“ genutzt und in dieser Zeit kamen dort noch einmal etwa 7.000 Menschen ums Leben: Nationalsozialisten, Mitläufer des NS-Regimes, vermeintliche Kriegsverbrecher, später aber auch vom stalinistischen Regime verfolgte politische Gegner.

Unser Besuch in Buchenwald folgt der Intention, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben – begleitet durch uns Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer - mit der Gedenkstätte Buchenwald ein Symbol für die menschenverachtende Herrschaft der Nationalsozialisten in einer Weise zu erfahren, die der schulische Unterricht aus der räumlichen Distanz heraus kaum vermitteln kann. Die eigene Anschauung der steinernen Überreste, des Zellentraktes, des Tötungskellers, der Genickschussanlage oder des Krematoriums vermag hier mehr an innerer Auseinandersetzung und Fragen zu bewirken, als es die Lektüre von Texten oder das Betrachten von alten Bildern im Unterricht könnte.

Das Ziel dieser für noch so junge Menschen emotional anstrengenden Exkursion sehen wir darin, das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und materiell „be-greifbar“ zu machen, wohin religiöse, politische und rassische Vorurteile geführt haben; es geht darum, den Sinn für Freiheit und Demokratie, für Menschenwürde und Respekt zu schärfen und - nach den Worten Adornos - unser „Denken und Handeln so einzurichten“, dass sich so etwas „nicht wiederhole“. Somit ist die Auseinandersetzung mit den Schrecken des Nationalsozialismus unverzichtbares Element einer Erziehung hin zum demokratisch mündigen Individuum. Über allem steht für uns dabei leitmotivisch jene von dem Namensgeber unserer Schule geprägte Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“:

 

„Die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins des Menschen lautet: ‘Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.’ Als Wille zum Leben inmitten von Willen zum Leben erfasst sich der Mensch in jedem Augenblick, in dem er über sich selbst und über die Welt um sich herum nachdenkt. Zugleich erlebt der denkend gewordene Mensch die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenzubringen wie dem eigenen. Er erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm: Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen; als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten. Dies ist das denknotwendige, absolute Grundprinzip des Sittlichen. Ethisch ist der Mensch nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist und er sich dem Leben, das in Not ist, helfend hingibt.“

(Albert Schweitzer - 1875-1965)

 

Hier finden Sie zum Download einen Bilderrundgang durch die Gedenkstätte Buchenwald, der von Nils Kortmann aus der gymnasialen Oberstufe erstellt wurde.

 

Im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt- und Terrorherrschaft

 

 

Unsere Schülerinnen und Schüler haben ihre ganz persönlichen Eindrücke vom Besuch in Buchenwald in kurzen Texten festgehalten. Eine Auswahl dieser sehr persönlichen und emotionalen Texte folgt – mit Erlaubnis der Schülerinnen und Schüler – auf den folgenden Seiten.