Zum Umgang mit dem Internet im Fach Geschichte

 

Im Internet sind Millionen von Computern auf der ganzen Welt verknüpft. Das Netz, wie das heißt, ist ungeplant entstanden. Anders als in Bibliotheken herrscht in ihm keine durchdachte Ordnung, weil niemand für das ganze Netz verantwortlich ist und sein kann. Mit einer Anzahl von Seiten, die im dreistelligen Millionenbereich liegt, übertrifft es natürlich auch jede reale Bibliothek um ein Vielfaches – setzt man einmal eine Seite im Internet mit einem Buch gleich.

Um ein Buch zu produzieren, braucht es einige Zeit; eine Seite ins Netz zu stellen, geht viel schneller. Informationen im Internet sind also oft viel aktueller als gedruckte Literatur. Dieser Vorteil kommt in vielen Bereichen zum Tragen (vor allem im Bereich von Politik und Wirtschaft). Im Hinblick auf Informationen zur Geschichte ist er aber nicht so ausschlaggebend, denn hier geht es ja immer um die Vergangenheit, gerade nicht um Aktualität.

Auf Seiten im Internet kann man hin und her springen, oft bieten Seiten auch links zu anderen mit ähnlichen Themen. So kann man sich mitunter leichter informieren, ob das "Buch" etwas zu einer bestimmten Fragestellung enthält, als das in einer Bibliothek der Fall ist, und dann das nächste Buch zur Hand nehmen.  Im Gegensatz zu Bibliotheken ist das Internet zu jeder Zeit verfügbar, es hat keine Öffnungszeiten, keine Ausleihfristen, verwehrt nicht den Zugang, weil ein anderer Benutzer schneller war.

Diesen Vorteilen stehen schwerwiegende Nachteile entgegen: Für den Gebrauch in der Schule kommt es auf Informationen an, die wissenschaftlich gesichert sind. Dies ist bei Büchern, was die zu Grunde liegenden Informationen angeht, weitgehend anzunehmen. Das schließt nicht aus, dass z. B. Wertungen getroffen, Urteile gefällt werden, die umstritten sind. Es gibt immer eine wissenschaftliche Diskussion, die den Stand der historischen Erkenntnis voran bringt. Im Internet herrscht jedoch vollkommene Freiheit. Niemand kontrolliert wie bei Büchern die Qualität. So stehen wissenschaftliche Informationen neben denen, die keinem wissenschaftlichen Maßstab entsprechen, steht Ernsthaftes neben Späßen oder mitunter sogar Kriminellem – wenn man z. B. an die vielen rechtsradikalen Seiten denkt. Das ist nicht immer leicht zu unterscheiden.

Bei einem Buch ist es vordergründig einfach, den Autor und einiges über ihn zu ermitteln, sich über den Charakter der Informationen ein Bild zu machen. Ist es ein Jugendbuch, ein Buch für Kinder, für Fachwissenschaftlicher, für eine interessierte Öffentlichkeit, populärwissenschaftlich? Der erste Schritt zu Überlegungen über den Charakter und die Verlässlichkeit einer Internetseite ist ähnlich: Wer ist eigentlich der Autor bzw. wer hat diese Seite ins Netz gestellt? Es sollte niemals eine Quelle benutzt werden, über deren Herkunft keine Auskunft gegeben werden kann. Die Auskunft Quelle: "Internet" kommt der Auskunft gleich: "Quelle: ein Buch". Zur Überprüfung der Seriösität einer Internetquelle findet ihr weiter unten einige Fragen.

Um im Internet etwas zu finden, "googeln" die meisten Schülerinnen und Schüler. Sie sollten sich dabei bewusst sein, dass auch Suchmaschinen nur wenige Prozente (maximal 15 Prozent) der Internetseiten erfassen, dass diese oft auch nicht in die „Tiefe“ angebotener Seiten eindringen können. Das Internet bietet also sehr viel mehr Möglichkeiten, als durch Suchmaschinen erfasst wird. Wichtig ist deshalb oft, dass man Adressen kennt, die weiter helfen. Das von uns für die Klassen 6-10 neu eingeführte Lehrbuch gibt z. B. zahlreiche Internetipps, mit Hilfe derer man sich gezielt informieren kann. Dazu wollen weitere Informationen auf anderen Seiten des Faches Geschichte unserer homepage helfen. Wichtig ist, dass man sich mit Suchmaschinen auskennt, und auch, dass man weiß, dass es im Internet "Kataloge" gibt. Hier ist das Angebot des Internets durch einen Sachkundigen vorstrukturiert – entstanden zumeist im Umfeld von wissenschaftlichen Einrichtungen.

Für den Umgang mit Suchmaschinen gibt es eine ausführliche Hilfe im Internet für Lehrer, die auch für Schülerinnen und Schüler interessant ist. Hier sind Suchmaschinen aufgeführt und auch meta-Suchmaschinen. Das sind solche, die gleich mehrere Suchmaschinen befragen und ein Sammelergebnis liefern.

www.lehrer-online.de

Hier kommt man von der Startseite über „Medienkompetenz“ und „Lehrerhilfe“ zur „Internetrecherche“. (Als Schüler kann man sich auch ansehen, was Lehren empfohlen wird, um Mogeleien mit Hilfe des Internets auf die Spur zu kommen.)

 

Deutschsprachige Suchmaschinen sind u. a.:

  

 

 

Deutschsprachige Metasuchmaschinen sind u.a.:

 

 

 

Deutschsprachige Kataloge sind u. a.:

  

 

 

Kataloge für Geschichte

  


Zur Überprüfung, ob eine Internetseite vertrauenswürdig ist, helfen folgende Fragen:

 

Autor

  • Lässt sich der Autor ermitteln?

  • Lässt sich ersehen, welche Befähigung/Qualifikation der Autor hat, um  sich über das Thema zu äußern? Ist das z. B. eine Schülerarbeit, ein Privater (der gerade an diesem Thema Interesse hat), eine vertrauenswürdige wissenschaftliche Institution (z. B. ein Archiv, eine Universität, ein Museum) …. ?

  • Lässt sich erkennen, wofür die Seiten ursprünglich verfasst wurden  (z. B. Schülerreferat, Diplomarbeit, Doktorarbeit, Buch, direkt fürs Internet ….))

  • Gibt es Möglichkeiten, mit dem Autor Kontakt aufzunehmen?

     

Text/Bilder 

  • Gibt es Informationen, warum das im Internet steht? Werden mit der Seite bestimmte Absichten verfolgt? (das können auch wirtschaftliche Absichten sein – Geld verdienen)

  • Ganz wichtig: Legt der Autor offen, woher er seine Informationen hat? Sind die Quellen so angegeben, dass man sie überprüfen kann?

  • Geht es vornehmlich um die Verbreitung einer bestimmten Meinung? Werden hinreichend Fakten ausgebreitet, die bestimmte Urteile auch wirklich belegen? Setzt man sich mit anderen Auffassungen auseinander, lässt diese zu Wort kommen?

  • Gibt es Verweise auf andere Quellen/Informationen im Internet (links), so dass man weiter recherchieren kann?

  • Gibt es Literaturangaben zum Weiterlesen?

  • Alles in allem geht es um die Frage: Ist die Information vertrauenswürdig?

 

Ihr könnt dies alles nur dann wirklich beantworten, wenn ihr nicht nur eine Informationsquelle nutzt, sondern mehrere Quellen miteinander vergleicht – auch das, was in Büchern steht.