Displaced Persons in Kassel

"Am falschen Ort". Displaced Persons in Kassel - 2. Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

 

Werkstatt Geschichte Albert-Schweitzer-Schule 

 

 

Im Gegensatz zu anderen Projekten war das ein Projekt, das im "normalen Unterricht" durchgeführt wurde.

Anstoß war ein rätselhaftes Foto auf der Internetseite des United States Holocaust Memorial Museum, gefunden auf www.ushmm.org: "Jewish DPs attend a memorial service for the victims of the Holocaust in Kassel displaced persons camp."

Wir fanden heraus: Millionen von Opfern des Nationalsozialismus lebten nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland. Sie hatten überlebt - z. B. als Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Häftlinge in Konzentrationslagern. Fast alle ausländischer Herkunft, heimatlos geworden. Tausende Juden kamen nach dem Krieg als Flüchtlinge aus Osteuropa, vor allem aus Polen. Schon bald fanden sich die meisten von ihnen im Land der Täter (erneut) in Lagern wieder, in den DP-camps. Auch in Kassel gab es eine ganze Reihe von ihnen. 1945-1949 lebten durchgängig etwa 10.000 Menschen in solchen Lagern. Der Kurs rekonstruierte vor allem die Lage dieser camps und das Leben in ihnen – vor allem in den rein jüdischen Lagern, suchte auch nach Spuren im heutigen Stadtbild, befragte Zeitzeugen, ging den manifesten Konflikten nach, die zwischen DPs und der einheimischen Bevölkerung herrschten, untersuchte die besondere Situation bei Kriegsende, versuchte einzelne Schicksale und Biografien aufzuklären.

Im kollektiven Gedächtnis der Stadt gibt es kaum eine Erinnerung daran. Der Grundkurs 36 des Schuljahres 2002/3 machte sich also im Rahmen der WERKSTATT GESCHICHTE zur Aufgabe diese weitgehend vergessene Geschichte der Stadt ein wenig aufzuklären, eine Forschungslücke etwas kleiner zu machen. Seine Arbeit reichte er als Beitrag ein zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten:

"Weggehen – Ankommen. Migration in der Geschichte"

und wurde unter 1.902 Wettbewerbsbeiträgen mit

einem zweiten Platz auf Bundesebene ausgezeichnet.

 

Teilnehmer/innen waren:

  • Abel, Hanne

  • Akins, Alisha

  • Colmenero-Fernandez, Sylvia

  • Dietrich, Jonas

  • Ebeling, Konrad

  • Harbaoui, Sandra

  • Hausmann, Marius

  • Herrmann, Helge

  • Hoheisel, Greta

  • Könn, Katrin

  • Lessmann, Sandra

  • Lohr, Kristina

  • Mogge, Stefanie

  • Niemeyer, Rebecca

  • Ridiger, Lena

  • Riesch, Christian

  • Schlese, Elisabeth

  • Schmidt, Manuela

  • Schneiker, Till

  • Schoenfeld, Frédéric

  • Strenzke, Timm

  • Strothmann, Jens

  • Thomas, Dorothea

  • Viehmann, Anna-Maria

  • Volkmann, Jana

  • Wachsmuth, Christian

  • Wintrich, Michaela

     

Höhepunkte unserer Arbeit waren u. a. eine Archivreise nach Berlin in den Herbstferien ins Zentrum für Antisemitismusforschung (wo sich Kopien aus New Yorker Archiven auf Mikrofilm befinden), eine Lesung aus zeitgenössischen Texten in der Gedenkstätte Breitenau sowie in der Buchhandlung am Bebelplatz in Kassel und ein dreitägiger Workshop zur Herstellung der Dokumentation. Es gelang uns, unbekannte Dokumente und Fotos zu finden, Zeitzeugen zu sprechen. Die Dokumentation haben wir zusammen mit dem Text und der Tonaufnahme der Lesung dem Stadtarchiv in Kassel übergeben, wo sie eingesehen werden können.

Nach wie vor sind wir sehr interessiert an Zeitzeugen und Besitzern von Dokumenten, die bei der Aufklärung dieses Teils unserer Stadtgeschichte hilfreich sein können. Bitte wenden Sie sich unter folgender E-Mail-Adresse an uns: w.matthaeus@t-online.de