Kassel und Arnstadt

Grenzen überschreiten – Kassel und Arnstadt 1989

  

"1989" gilt heute schon fast als eine Chiffre für weltpolitische und historische Veränderungen. Mit den Ereignissen um dieses Jahr herum verbindet man inzwischen nicht nur den Fall der Mauer, sondern auch das Ende einer Ära der Weltpolitik.

1989 war für Arnstadt und Kassel ein Jahr vielfältiger Grenzüberschreitungen. Die Partnerschaft zwischen beiden Städten sollte Grenzen überschreitbar machen. Flüchtlinge nutzten die neuen Chancen, die DDR zu verlassen, Demonstranten in Arnstadt gingen auf die Straße, sprengten die Ketten des Systems und klagten Veränderungen ein. Die DDR reagierte mit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze. Massenhafte persönliche Begegnungen auch in Kassel beförderten den Gedanken an eine Wiedervereinigung, an die Aufhebung der Grenze.

Die WERKSTATT GESCHICHTE spürte auf und dokumentierte, wie sich weltpolitische und deutschlandpolitische Veränderungen auf der lokalen Ebene in Kassel und Arnstadt niederschlugen. Vielleicht war aber schon die Begegnung zwischen Willy Brandt und Willi Stoph in Kassel 1970 ein erster Schritt auf dem Weg zur deutschen Vereinigung?

 

Am Anfang dieser Einsichten stand der Vorschlag, dass wir uns doch in einem neuen Projekt mit dem Jahr des Mauerfalls und den entsprechenden Ereignissen und Vorgängen in Kassel  befassen sollten. Wie wir herausfanden, war das auch das Jahr der Begründung der Städtepartnerschaft zwischen Kassel und Arnstadt und vor allem auch das Jahr der friedlichen Revolution in der Kasseler Partnerstadt, die – wie wir herausfanden – mit an der Spitze der friedlichen Revolution in der DDR. Das war ganz besonders spannend.

Mit diesem Projekt überschritten wir dann selbst die Grenzen der lokalen Geschichtsschreibung, interessierten uns für das, was in Arnstadt war, fuhren dorthin, machten uns mit dem Ort vertraut und recherchierten im lokalen Archiv.

Alles in allem dauerte das mehr als ein Jahr.

 

Wir recherchierten in verschiedenen Archiven und Einrichtungen:

  • im Stadtarchiv Kassel

  • im Stadtmuseum Kassel

  • im Archiv des Ilm-Kreises, Außenstelle Arnstadt

  • bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes des ehemaligen DDR

  • im Archiv der HNA, deren Fotografen uns auch freundlicher Weise Fotos zur Verfügung stellten.

 

An dem Projekt beteiligt waren: 

 

  • Lisa Bindemann

  • Helge Brede

  • Keven Busch

  • Johanna Diecke

  • Jost Ebeling

  • Robert Fleck

  • Mareike Görtz

  • Yasmin Heinemann

  • Jana Larbig

  • Oliver Lutzi

  • Wolfgang Matthäus

  • Sarah Osterberg

  • Sonja Schreiber

  • Stephanie Thomas

 

Ein besonderes Ereignis war für uns ein Zeitzeugengespräch mit MdB Hans Eichel, dem damaligen Oberbürgermeister Kassels, der die Städtepartnerschaft initiiert und die Wendezeit in verantwortlicher Stellung erlebt hatte. 

Am Ende stand zunächst ein Buch, das sich auch als ein Beitrag dazu versteht, die bestehende Partnerschaft zwischen zwei Städten aus ehemals zwei deutschen Staaten zu vertiefen: 

Wolfgang Matthäus / Mareike Görtz (Hg), Grenzen überschreiten. Kassel und Arnstadt 1989. Eine Dokumentation, Kassel 2008 (Schriften der WERKSTATT GESCHICHTE an der Albert-Schweitzer-Schule Kassel Heft 7)

 

Buchbesprechung in der HNA

Buchbesprechung Allgemeiner Anzeiger Ilm-Kreis

Buchbesprechung im Extra Tip 

 

 

 

 

 

 

Am 14. Mai 2008 stellten wir unser neues Buch in einer Lesung im Stadtmuseum Kassel vor. Zu unserer großen Freude waren einige der damals Verantwortlichen anwesend und konnten unsere Lesung durch ihre eigenen Erinnerungen ergänzen: so der damalige OB Eichel, der frühere Stadtverordnetenvorsteher Frei und der ehemalige Schulleiter des Friedrichsgymnasiums Kohl, der damals eine Schulpartnerschaft mit einem Oberstufengymnasium in Arnstadt abschloss.

Johanna Diecke, Jana Larbig, Sarah Osterberg und Stefanie Thomas brachten – unterstützt von Jost Ebeling an der Technik – die Zuhörer zu einer sehr gespannten Aufmerksamkeit, was durch einen kräftigen Applaus und anerkennende Worte unterstrichen wurde. Der Verein der Freunde des Stadtmuseums belohnte das Engagement der WERKSTATT GESCHICHTE mit Theaterkarten für „Familienschlager“, wo es um einen mit musikalischen Mitteln ausgetragenen Streit zwischen der Familie Ostmüller und Westmüller geht. Der gemeinsame Theaterbesuch war dann Abschluss unseres Projekts. Aber vielleicht findet es noch eine Fortsetzung durch eine Ausstellung im Stadtmuseum.

==> Bericht der HNA von der Lesung (21.05.2008)