21.02.2018 Zeitzeugengespräch der Q 4 mit Thomas Raufeisen, einem Opfer des SED-Regimes

21.02.2018 Zeitzeugengespräch der Q 4 mit Thomas Raufeisen, einem Opfer des SED-Regimes

Was kann ein Mensch alles ertragen? Diese Frage stellten sich wohl viele Schülerinnen und Schüler der Q 4, die in der voll besetzten Aula am 15. Februar den Zeitzeugenbericht von Thomas Raufeisen hörten. Eine "deutsch-deutsche Geschichte", nannte er sie, seine Geschichte, die eine Familie gebrochen und schwer traumatisierte Menschen zurückgelassen hat. Thomas Raufeisen ist aus der BRD in die DDR "geflohen". Sein Vater arbeitete nicht nur als Geologe, er war auch Spitzel der DDR-Wirtschaftsspionage. Der Sohn wusste nichts davon. Als der Vater große Angst bekam aufzufliegen, flüchtete er mit der ganzen Familie in den Osten. Doch nach der überstürzten Flucht wurde schnell deutlich, dass dies nicht das war, was sich der Vater unter der DDR vorgestellt hatte. Ausreiseanträge wurden gestellt, Fluchtversuche geplant. Doch genau das wurde ihnen zum Verhängnis: Raufeisen musste drei Jahre im Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen absitzen.

Über diese erschreckende Lebensgeschichte berichtete Raufeisen begleitet mit seinem Buch "Der Tag, an dem uns Vater erzählte, dass er ein DDR-Spion sei", dem sehr interessierten Publikum. " Gespannt wurde der sachlichen Lesung gelauscht, in der er Passagen las wie die Beschreibung seiner Lehre in der DDR sowie Berichte über die Verhörtortur. Gleich am Anfang der Veranstaltung machte er deutlich: "Wer Zwischenfragen hat, soll diese am besten sofort stellen." Und die interessierten Zuhörer hatten viele Fragen. Ein Schwerpunkt, der bei den Jugendlichen eine große Rolle spielte, waren die psychischen Folgen, die solch ein hartes Schicksal zeigt. "Wie war es, nach dem Gefängnisaufenthalt, als 22-Jähriger alleine wieder im Westen zu sein?", wurde eine Frage laut: "Man kommt sehr schlecht damit zurecht. Ich war traumatisiert und ohne Selbstvertrauen.“ Doch ein gebrochener Mann ist Raufeisen heute nicht mehr. Mit großem Applaus für ihn endeten bewegende anderthalb Stunden. Ein großer Dank geht an die Elternspende sowie an den Europaschulbereich, die mit ihren Mitteln das Zeitzeugengespräch möglich gemacht haben.

(Text und Bilder: Hr. Krüger und Hr. Neumann)

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