Ein Leben im Spannungsfeld zwischen Demokratie und Diktatur – der DDR-Zeitzeuge Thomas Raufeisen liest für die Schülerinnen und Schüler der Q 4

Ein Leben im Spannungsfeld zwischen Demokratie und Diktatur – der DDR-Zeitzeuge Thomas Raufeisen liest für die Schülerinnen und Schüler der Q 4

Was kann ein Mensch alles ertragen? Diese Frage stellten sich wohl viele Schülerinnen und Schüler der Q 4, die in der voll besetzten Aula den Zeitzeugenbericht von Thomas Raufeisen hörten. Eine "deutsch-deutsche Geschichte", nennt er sie, seine Geschichte, die eine zerbrochene Familie und schwer traumatisierte Menschen zurückgelassen hat. Thomas Raufeisen musste aus der BRD in die DDR "fliehen". Sein Vater arbeitete nicht nur als Geologe, er war auch Spitzel der DDR-Wirtschaftsspionage. Der Sohn wusste nichts davon. Als der Vater große Angst bekam aufzufliegen, flüchtete er mit der ganzen Familie in den Osten. Doch nach der überstürzten Flucht wurde schnell deutlich, dass dies nicht das war, was sich nicht nur die übrige Familie, sondern auch der SED-treue Vater unter der DDR vorgestellt hatte. Ausreiseanträge wurden gestellt, Fluchtversuche über Ungarn geplant, Kontakt mit der CIA aufgenommen. Doch genau das wurde ihnen zum Verhängnis: Raufeisen musste drei Jahre im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen III absitzen.

Über diese erschreckende Lebensgeschichte berichtete Raufeisen begleitet mit seinem Buch "Der Tag, an dem uns Vater erzählte, dass er ein DDR-Spion sei", dem sehr interessierten Publikum. " Gespannt wurde der sachlichen Lesung gelauscht, in der er Passagen las wie die Beschreibungen von Schulbesuch und Lehre sowie Berichte über die Verhörtortur durch die Stasi. Die interessierten Zuhörer hatten viele Fragen zum Alltagsleben in der DDR, aber auch zum persönlichen Schicksal des Referenten. Abschließend wurde Thomas Raufeisen zum heutigen Verhältnis zu seinem 1988 in der Haft verstorbenen Vater befragt. Er antwortete, dass dieses ambivalent sei, da er neben allen Hass wegen seines unglücklichen Schicksals auch in gewisser Weise dessen Beweggründe für die West-Spionage verstehe. Mit großem Applaus für ihn endeten bewegende anderthalb Stunden.

Dies war schon die zweite Lesung von Thomas Raufeisen an der ASS, die von Herrn Krüger, der die Begrüßung und Verabschiedung des Referenten moderierte, in einer Kooperation von Fachschaft Geschichte und Europaschul-Koordination organisiert hatte. Auch für den Februar 2020 hat Herr Raufeisen  bereits wieder zugesagt, für die Schülerinnen und Schülern der künftigen Q 4 zu lesen.

 

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